Nerddeutschland

Der Blick durch die Hornbrille!

Hektisch, Technisch, Elektrisch: Meinungen & Befindlichkeiten eines Newsjunkies. Medien, Politik, Mobiles Leben, E-Commerce.

Nach dem Hype ‘um’ ist der nächste Hype wohl der Abgesang ‘auf’ Social Media. Nur weil Teile der Werbewirtschaft (ich bin so frei und fasse Social Media PR und Social Media Marketing mal darunter zusammen) enttäuscht sind, dass die erwünschten Effekte ausbleiben und offensichtlich noch enttäuschter darüber sind, dass das was bleibt, oftmals einfach und simpel entlang der Linien in den Marketingabteilungen der Unternehmen selbst abgebildet werden kann, heißt das noch lange nicht, dass irgendetwas “müde” ist. Netzwerke und Dienste, die einen Nutzen schaffen, der Wertschöpfung, der Wissensbildung, dem Austausch oder der kreativen Selbstdarstellung dienen, wird es weiter geben. Unabhängig von einem Nutzen dieser für die Werbewirtschaft. Diese Entwicklungen zu begleiten, zu analysieren, zu bewerten, sich dabei auch gern mal aus einer Anfangsbegeisterung heraus zu irren und falsch zu liegen, das bleibt. So what? Menschen nutzen Netzwerke weniger, sind weniger präsent. Na, das ist mit Freundeskreisen doch auch so: Man sieht sich irgendwann seltener. Werden deshalb “Freundeskreise” in Frage gestellt? Ist Sättigung mit Müdigkeit gleichzusetzen? Sind diese Entwicklungen jetzt weniger spannend und interessant, bloß weil einige Berater, PR-Leute und Marketer, die offensichtlich dachten, sie könnten durch das Überhöhen weicher Faktoren (“Dialog mit Marken”) den ‘Teufel’ (Marketing-Controller) überlisten, jetzt die große Social Müdigkeit ausrufen? Nein. Cluetrain war immer nur ein Postulat, nicht mehr und nicht weniger. Jeder wusste das. Und in den guten Social Media Blogs, da, wo nicht nur feinste weiche Faktoren, wie der viel beschworene “Markendialog” auf eine Empore gehoben wurden, stellte man schon vor 2 Jahren fest: “Eines Tages kommt der Mann im Anzug und wird wissen wollen, was es kostet und was es bringt. In Euro und Cent. Wie kann man den Erfolg messen? Welche Methoden sind wirklich wirksam?” Soweit, so bekannt. Der springende Punkt: Der erwähnte Nutzen für die Anwender und die spannenden technischen Entwicklungen, die Netzwerke und Services voranbringen, der bleibt davon gänzlich unberührt. Der bleibt weiterhin berichtenswert. Somit hat es den Anschein, als wäre der letzte Verkaufsversuch, den manche Kräfte in dieser Branche zurzeit anstreben, der, eine generelle Social Müdigkeit auszurufen, nur um das Scheitern um die eigene, zu lange konservierte, Anfangseuphorie schmerzfrei überspielen zu können. Aber dem widerspreche ich: Es gibt gar keine ‘allgemeine’ Social Müdigkeit in der digitalen Welt, es gibt nur einen Social Kater innerhalb einer bestimmten Branche, die darin und daran verdienen möchte und die nun feststellt, dass der Kuchen nicht für alle reichen wird. Was sich allgemein abgenutzt hat, darin kann man sich schließlich nicht individuell geirrt haben? Nein. Wer einen “Summit” ausruft, der landet halt gelegentlich in einem “Canyon”. That’s life. Aber diesen Kater sollen die Betroffenen allein auskurieren, denn ich bin bestimmt nicht Social Müde, im Gegenteil.

Vor 8 Monaten