Was für ein Drama!
Ein alter Mann sieht sich durch das unbedachte Auftauchen eines Hais in seinen Fischgewässern um seinen Fang gebracht. Er tobt und wütet.
Er besorgt sich ein Boot und zieht los. Ein gestrauchelter alter Fahrensmann segelt noch einmal hinaus aufs Meer. Er will ihn wieder haben, seinen Fisch. Er will ihn wieder haben, um des Wiederhabens willen. Der Fischer ist für seine Beharrlichkeit bekannt…
Petri Heil!
Fast 10 Jahre lang kämpft er sich durch die sturmgepeitschten Wogen des Meeres.
Justitias Wellen und der Wind der Medien nagen an ihm, seine Krankheit wirft ihn zurück, aber er gibt nicht auf. Er gibt einfach nicht auf. Das wäre ihm fremd.
Längst plant er nicht mehr für einen Rückmarsch, da er weiß, seine Zeit ist begrenzt, und bald geht es ihm nicht mehr darum, seinen Fang wieder zu bekommen.
Er plant um. Er will einen Hai aud dem Rudel, dass ihn einst um seinen Fang gebracht hat!
Abgekämpft holt er seine Fischernetze ein. Seine Kräfte schwinden. Er reißt sich noch einmal zusammen und bereitet stattdessen eine Angel vor. “Warum nicht die anderen beiden auch?”, denkt er sich und mobilisiert seine letzten Reserven. Er grinst in sich hinein.
“Chancenmaximierung durch Streuung”. Portfoliotheorie nennen “Die” das heute. Na dann.
Er grantelt weiter und bereitet drei Ruten vor. Er kennt die Haie. Jahrelang hat er sie beobachtet und sich von Ihnen sogar seine Fischschwärme zutreiben lassen.
Er weiß um ihre Wanderbewegungen, und er kennt ihre Schwächen. Er kennt sie sogar sehr genau, denn sie entsprechen seinen eigenen: Haie bestraft man nicht, indem man ihnen Fische wegnimmt, die würden einfach in andere Gewässer wechseln und dort weiter jagen. Haien muss man ihr Selbstverständnis rauben, um ihnen schaden zufügen zu können. Deshalb hängt er dicke Brocken aus Reputation, Lebensleistung und Anerkennung an die Angelhaken. Haie “beißen gut” auf Ehre.
Er wirft aus, macht die Ruten fest und ordnet sein Boot. Sein Werk ist getan. Er stirbt.
Die Haie sind erleichtert. Der alte Mann ist tot. Sein Boot dümpelt weiter in offener See und gerät in Vergessenheit. Die Köder jedoch hängen weiter im Wasser und werden umso argloser betrachtet je mehr der alte Mann Geschichte wird. Bald schweben sie einladend im Wasser.
Plötzlich beißt einer an! Ein Hai hängt am Haken!
Keiner drillt ihn, denn es ist ja niemand mehr da, der mit ihm kämpfen könnte. Aber er kommt auch nicht mehr los: Der Hai hat den Köder samt Haken zu tief geschluckt. Hilflos hängt er an der Leine und windet sich. Vorerst unbemerkt. Das Boot treibt jedoch Richtung Ufer.
Justitias Wellen bewegen sich immer in Richtung Landmasse.
Langsam und bedächtig, dennoch unaufhaltsam.
Heute hat das Boot den Strand erreicht. Der Hai hängt immer noch an der Leine. Er ist erschöpft, er kann nicht mehr. Seine Victory -Flosse ist gebrochen und hängt schlaff entlang seines Körpers. Er darf weiterleben, aber er muss seine Zähne abgeben. Der Hai ist kein Hai mehr. Die Medien sind da. Es werden Fotos gemacht.
Big Game Fishing. Das ganz große Spiel. Der alte Mann hat es gewonnen, indem er seine Krankheit und letzlich gar den eigenen Tod dafür genutzt hat, Schwäche vorzutäuschen, sich im Stillen aber schon vorab der Macht der Elemente bewusst war, die auch ohne ihn weiterwirken würden. Die Haie hätte es wissen müssen, schließlich ist der Fischer schon immer für seine Beharrlichkeit bekannt gewesen…
Nun blickt er von seiner Wolke aus herab und lächelt. Er macht sich mit seinem Freund FJS ein Fass “Helles” auf. Aloisius begleitet dazu auf seiner Harfe.
“Luja, soag i, luja!” klingt es derweil leise aus vom Firmament…
Petri Dank!
-
von nerddeutschland gepostet




